Mittwoch, Februar 08, 2006


russisch für anfänger (1)

es gibt phasen im leben, da braucht der mensch ablenkung. in einem anfall von aktionismus geschah es also am Montag der letzen woche, daß ich mich am telefon wiederfand und einer mir unbekannten angestellten der hiesigen vhs mit freude sagte „ja, ich möchte an dem kurs „russisch für anfänger“, der heute abend beginnt, teilnehmen.

viel zeit zum nachdenken blieb eh nicht, denn zwischen anmeldung und beginn des kurses lagen nur knapp 5 stunden. in der schmierigen 70er-jahre-charm-vhs angekommen wurde mir schnell klar: ich war total unvorbereitet und unvoreingenommen an die sache heran gegangen. das kann gut sein, muß es aber nicht. vor allem nicht, wenn man sich die frage nach den anderen teilnehmern erst dann stellt, wenn man ihnen begegnet.
ich fand mich also in einer gruppe männer wieder, die alle gut und gerne mein vater sein könnten, es aber glücklicherweise nicht sind. deren absolute überzahl trug nicht unbedingt zu meinem wohlgefühl bei, aber ich bin ja optimistisch und weltoffen und wissbegierig und im übrigen offensichtlich voller vorurteile gegenüber schmierigen männer mittleren alters, die keinen ehering tragen und montags abends einen russisch-kurs belegen. meine vorurteile waren im übrigen nicht gänzlich unbegründet, aber dazu später mehr.

in den letzten minuten vor kursbeginn tauchten zu meiner erleichterung noch zwei weitere frauen auf und nachdem die dozentin auch endlich anwesend war, konnte es auch schon losgehen. es began, wie jede form von hölle, mit einer vorstellungsrunde, bei der ich meine wahre motivation (allgemeine verzweifelung) verschwieg. andere hielten mit ihren wahren beweggründen nicht so hinter dem berg wie ich und so fiel schon drei personen weiter der satz „ na ja, ich mach das wegen frauen und so“. aha, dachte ich mir....frauen...und so. der rest redete weitgehend von reisen, schönheit der sprache und beruflichen gründen. nur ein ausreißer war noch dabei, der sagte, er würde literatur nur im original lesen und russische schriftsteller sehr schätzen. auf den hinweis der dozentin, daß das aber ein sehr ehrgeiziger wunsch sei und wahrscheinlich viele jahre dauern würde, entgegnete der langhaarige lederblouson-träger „macht nix, ich bin ein sprachgenie.“. das meinte er wirklich so, kackte aber später schon bei der unterscheidung der ersten buchstaben auch nach geduldigem vorbeten der dozentin mit aller kraft ab.

und so plätscherten die ersten zwei stunden meines russich-kurses dahin. ich war schon in der letzten woche dazu in der lage, auf unser pelziges haustier zu zeigen und das russische wort für katze zu brüllen. ich konnte sogar „das ist eine katze.“ sagen, aber bezweifele ernsthaft, dass mir dieser wortschatz auf reisen wirklich behilflich sein wird.auch für den „frauen und so“-mann ist hier wohl noch lange nicht schluß und so kann man sich auf viele weitere unterrichtseinheiten bis zum sommer freuen.......


so einen debilen scheiß wie das obige bild findet man, wenn man bei google "rußland" als suchbegriff eingibt. es stammt von der seite des europapark rust und ich sage nur: viva la klischee....

3 Kommentare:

dash hat gesagt…

erstmal herzlichen glückwunsch zur gelungenen selbstüberzeugung und dem damit einhergehenden offensichtlichen bildungsschub. ich würde auch gern behilflich sein, indem ich recht wenig gebrauchten russischunterricht aus sieben schuljahren weiterreiche, befüchte aber, dass dabei nichts lohnenswertes rumkommt.

allerdings gibt es ein wort, welches komischerweise niemand mehr vergisst und was man bei einer auslandsreise auch tatsächlich einsetzen kann: dostoprimetschatjelnost = sehenswürdigkeit. (und was hiess gleich nochmal "katze"?)

Valeria hat gesagt…

vor allem da der deutsche Satz "das ist eine katze" im russischen nur aus zwei Wörter besteht dürfte es nicht sehr schwer sein))))))

Valeria hat gesagt…

кошка ist die Katze auf russisch)))